Grundsatzerklärung des BDKJ München und Freising

Prävention und Aufklärung von (sexualisierter) Gewalt an jungen Menschen im Schutzraum der Kirche

Wir sind tief erschüttert über die Vorfälle von Misshandlung und sexuellem Missbrauch Minderjähriger in unserer Kirche. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Opfern dieser Verbrechen, denn sexualisierte Grenzüberschreitungen stellen nicht nur einen Missbrauch an den betroffenen Kindern und Jugendlichen dar, sondern auch ein Ausnutzen des Schutzraumes der Kirche, das durch den Missbrauch des den Tätern entgegengebrachten Vertrauens umso schwerer wiegt. Wir begrüßen die Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. Februar 2010, die u.a. „besonders die Verantwortlichen in unseren Schulen und der Jugendarbeit auf(fordert), eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens zu pflegen“. Als Jugendarbeiter/innen, ehrenamtlich oder hauptamtlich/-beruflich tätig, wollen wir uns neu unserer Verantwortung und dem uns entgegengebrachten Vertrauen stellen.

  • In der Ausbildung von Ehrenamtlichen zu Gruppenleiter/innen ist eine thematische Einheit zur „Prävention sexueller Gewalt“ Voraussetzung für die Vergabe der Jugendleitercard (JuLeiCa). Dies führte in den Jugendverbänden im BDKJ dazu, dass Prävention sexueller Gewalt explizit Querschnittsthema ist. Der BDKJ-Diözesanvorstand schafft Transparenz über Strukturen und Verfahren und trägt Sorge für eine Schulung von Verantwortungsträgern/innen innerhalb der Jugendverbandsarbeit. Die Verbände stellen vorhandenes Material allen Interessierten zur Verfügung, informieren aktiv über ihre Verhaltenskodizes und ihre Ansprechpartner/innen im Krisenfall und verwenden selber erneut Achtsamkeit auf Einhaltung und Qualität dieses Standards in der Ausbildung Ehrenamtlicher.
  • Im Rahmen unserer Bildungsmaßnahmen wollen wir Kinder und Jugendliche stark und selbstbewusst machen, damit sie selbst Grenzüberschreitungen wahrnehmen und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten schnell und selbstbewusst Hilfe und Unterstützung holen.
  • Wir unterstützen die Maßnahme des Erzbischöflichen Jugendamtes - per Gesetz ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe - alle pädagogischen und pastoralen Mitarbeiter/innen in einem verpflichtenden Studientag gemäß § 8a SGB VIII (Sozialgesetzbuch) zur „Sicherstellung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung“ zu schulen.

Wir nehmen wahr, dass die Verantwortlichen des Erzbistums München und Freising die bekannt gewordenen Vorfälle sehr ernst nehmen und begrüßen die klare Haltung gegenüber Tätern und jenen, die nicht entsprechend der Leitlinien der Dt. Bischofskonferenz (aus dem Jahr 2002) gehandelt haben. Nur so können Zeichen und Maßstäbe dafür gesetzt werden, was Recht und Unrecht ist, was Fürsorge und Ernstnehmen oder aber Verschweigen und Verharmlosung ist. So können Menschen in ihrem Vertrauen zur Kirche bestärkt werden bzw. (wieder) Vertrauen in die Kirche gewinnen.

  • Als Lobbyisten für junge Menschen in der Kirche fordern wir die Verantwortlichen in der Kirche (Erzbistum, Orden, kirchl. Einrichtungen, …) auf, dass präventiv Maßnahmen zur Verhinderung sexualisierter Grenzüberschreitungen ergriffen werden.
  • In der kirchlichen Jugendarbeit wünschen wir uns mitten im Leben stehende, menschlich reife und gut qualifizierte pastorale wie pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In deren Ausbildung muss dem Thema Sexualität offen und unverkrampft, angemessen und kompetent Platz eingeräumt werden. „Insbesondere künftige Priester müssen menschlich und damit auch in sexueller Hinsicht über die Eignung und nötige Reife für ihr Amt verfügen“ (Erzbischof Zollitsch, 23.2.2010). Diese Anforderung erachten wir für alle Priester als notwendig. Von den Verantwortlichen in der Priesterausbildung erwarten wir eine hohe Sorgfalt in Auswahl und Zulassung der Priesteramtskandidaten.
  • Wir erwarten, dass konkreter Verdacht den Verantwortlichen immer transparent gemacht und den von der Erzdiözese benannten Ombudsleuten umgehend gemeldet wird. Auch wir werden uns bekannt werdende Vorfälle sofort weitermelden. Zurückliegende Fälle müssen in gleicher Weise aufgearbeitet werden, auch wenn sie nach staatlichem Recht bereits verjährt sind.
  • In Fällen begründeten Verdachts ist eine Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden unerlässlich.  

Für uns ist es ein wichtiges Element der Prävention, einen enttabusierten Dialog über Liebe, Sexualität und Partnerschaft führen zu können. Dies unterstreichen auch die Forderungen der Jugendlichen auf dem Jugendforum „Update Kirche“ vom November 2009. Junge Menschen suchen im Raum der Kirche Orientierung, Unterstützung und auch Geborgenheit in der sensiblen Phase der Persönlichkeitsfindung und Lebensplanung.

  • Wir wollen „über Werte reden“: Wir erwarten ein „besseres ‚Rüberbringen’ von Werten, der positiven Einstellung von Liebe, Partnerschaft, Sexualität und Vertrauen“ (aus den Forderungen des Jugendforums).
  • Wir fordern mit Nachdruck einen „offenen Dialog, Enttabuisierung des Themas in der Kirche und die Anerkennung der Lebenswelt Jugendlicher“ (aus den Forderungen des Jugendforums) und werden in geeigneter Weise Möglichkeiten zu diesem Dialog schaffen. 

Wir ermutigen ehrenamtlich Engagierte und Hauptamtliche/-berufliche in der kirchlichen Jugendarbeit, sich weiterhin für junge Menschen zu engagieren und die Ziele der Kirchlichen Jugend(verbands-)arbeit weiter zu verfolgen.