Bildungspolitische Diskussion auf Ökumenischen Kirchentag

Datum: 14.05.2010

Der bayerische Kultusminister hatte es nicht leicht, schließlich empfahl im der Reformpädagoge Otto Herz wärmstens das Bildungskonzept des BDKJ "Neue Schule" - und ließ sich ein kleine Zusage abringen.

Bildungspolitische Diskussion auf Ökumenischen Kirchentag

Reformpädagoge Otto Herz empfiehlt BDKJ-Beschluss zur neuen Schule

Es braucht Mut zum Paradigmenwechsel im Interesse der Kinder und Jugendlichen“



München, 13. Mai 2010 – „Jugendarbeit und Schule? Was brauchen Jugendliche heute?“ - das war das Thema einer Podiumsdiskussion, die der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in München und Freising zusammen mit der evangelischen Jugend (AEJ) veranstaltete. Der renommierte Reformpädagoge Otto Herz diskutierte unter anderem mit Kultusminister Ludwig Spänle, der BDKJ-Diözesanvorsitzenden Gerlinde Berger, Niels Niedermaier von der Landesschülervertretung und Vertretern der AES, GEW und BEV. Die Diskussion fand im Rahmen des 2. Ökumenischen Kirchentags im Jugendzentrum im Olympiapark statt.

In einem Impulsreferat forderte Otto Herz einen radikalen Paradigmenwechsel im standardisierten Schulsystem. „Kinder haben ein Recht darauf, sich an dem zu beteiligen, was sie brauchen und wollen, und dazu gehört eindeutig die Schule,“ so Otto Herz. Deshalb brauche es eine Gesamtschule, die auch außerschulische Lebens- und Lernfelder erschließen. „Nur durch eine Beteiligung der Lernenden kann es gelingen, dass Schulen nicht mehr Misslingen verwalten, sondern das Gelingen zu organisieren.“ Kultusminister Ludwig Spänle widersprach Herz, das bestehende Schulsystem sei ungleichwertig. „Rund 40% derer, die eine Hochzugangsberechtigung erreichen, haben diese nicht über das Gymnasium erlangt.“ Zugleich sagte Spänle zu, die im Koalitionsvertrag zugesagten zusätzlichen 1000 Lehrkräfte nach der Steuerschätzung im November für das Schuljahr 2011/12 anzustellen.

Herz empfahl das Konzept des BDKJ Bayern für eine neue Schule. Darin heißt es, die Schule der Zukunft müsse vom Kind her entwickelt werden. „Schule muss sich ihrem Sozialraum öffnen und außerschulische Bildungspartner, wie zum Beispiel Jugendverbände, in den Bildungsprozess einbinden.“ Wenn Kinder und Jugendliche angstfrei, selbstbestimmt und wertgeschätzt lernen könnten, dann könne Schule die nötigen Kompetenzen für ein gelingendes Leben vermitteln. Gerlinde Berger sagte, es wäre nötig, nicht kleinteilig zu überlegen, wo man etwas tun könne. „Wir brauchen endlich den Mut, das Bildungssystem grundsätzlich zu reformieren.“ (tu)